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Bei der Akupunktur
handelt es sich um ein Heilverfahren, das seine Ursprünge im alten
China hat. Schon lange vor unserer Zeitrechnung hatte man
dort eine Methode entwickelt, die in der Reizung bestimmter
Hautstellen mit spitzen Gegenständen aus Holz, Knochen, Stein und
Metall bestand.
Diese inzwischen weiter
entwickelte Methode der traditionellen Chinesischen Medizin ("TCM")
nennen wir heute im Westen Akupunktur, abgeleitet von den
lateinischen Worten "acus" (=Nadel) und "pungere"
(=stechen).
Die TCM ist eingebettet in die Naturphilosophie des antiken China.
Nach dieser Philosophie ist das Universum in seinem Urzustand ein
ungegliedertes Kontinuum, welches dann in gegensätzliche Energien
YIN und YANG zerfällt. Im Wechselspiel dieser Polarität tritt
strömende Energie ("Qi") auf und es bildet sich Ordnung aus:
Ordnung ist an Bewegung und Wandlung gebunden.
Die Polarität von Yin und Yang und die fließende Lebensenergie Qi
spielen in der TCM auch bei der Beschreibung des menschlichen
Körpers und seiner Störungen eine große Rolle. Ein gesundes Leben
kann es nach den Vorstellungen der alten Chinesen nur geben, wenn
der Balancezustand von Yin und Yang durch ein harmonisches Fließen
des Qi aufrecht erhalten wird. Krankmachende Faktoren wie Kälte,
Hitze, Zugluft, falsche Ernährung, übermäßige körperliche und
seelische Belastungen und interessanterweise zuviel Sex(!?) können
nach chinesischer Vorstellung den Energiefluss und auch die Balance
zwischen Yin und Yang stören. Die Akupunktur hat das Ziel, den
Qi-Fluss zu regulieren und die gestörte Balance zwischen Yin und
Yang wieder herzustellen. Ihr behandelnder Akupunkteur braucht eine
Vielzahl von Informationen, um die individuellen Besonderheiten
jedes einzelnen Patienten zu erkennen und dadurch eine genaue
Diagnose nach den Regeln der TCM stellen zu können. Als
Voraussetzung dafür ist zunächst die Kenntnis der
Krankenvorgeschichte ("Anamnese") erforderlich. Hierzu werden meist
standardisierte Fragebögen verwendet, die Sie am besten in Ruhe zu
Hause ausfüllen. Wichtige Zusatzinformationen liefern die Zungen-
und die Pulsdiagnose. Erst jetzt können die für Sie speziell
notwendigen Punktkombinationen festgelegt werden. Natürlich wird Ihr
akupunktierender Arzt, wenn er nach anerkannten Standards behandelt,
mit Ihnen zusammen überlegen, wie krankmachende Faktoren günstig
beeinflusst werden können.
Yang heißt chinesisch
eigentlich: "die sonnenbeschienene Seite des Berges", Yin "die
sonnenabgewendete Seite des Berges". Yang symbolisiert aber viel
mehr: z.B. Sonne, Aktivität, aufstrebendes Wachstum. Da die Begriffe
von Naturphänomenen abgeleitet sind, spricht man auch bei den
Körperregionen des Rückens und der Gliedmaßen-Außenseite von der
Yang-Seite, da ein auf dem Felde arbeitender Bauer eben an diesen
Körperregionen von der Sonne beschienen wird. Im polaren Gegensatz
dazu werden unter dem Begriff Yin Phänomene assoziiert wie Mond,
Kälte, Passivität, das Schwere, Feuchte, das Nach-Unten-Sinken.
Entsprechend sind bei den Körperregionen die vordere Leibeswand und
die Innenseite der Gliedmaßen mit Yin zu bezeichnen. Es sind dies
die Regionen, die bei vornüber gebeugter Haltung von der Sonne
abgewandt sind.
Der Körper wird nach
TCM-Sicht von einem Netzwerk von Linien überzogen, auf denen die
Akupunkturpunkte liegen. Es handelt sich dabei um gedachte
Verbindungen zwischen Akupunkturpunkten, die ähnliche therapeutische
Wirkungen haben. Nach den alten chinesischen Vorstellungen fließt
durch dieses System von Meridianen die Lebensenergie Qi und
reguliert die Körperfunktionen. Je nach Verlauf werden Die Meridiane
Yin- oder Yangmeridiane genannt. Über die Akupunkturpunkte gelingt
es, einen direkten therapeutischen Einfluss auf die Meridiane und
somit auf die Körperfunktionen zu erzielen.
Seit den 70er Jahren hat
man auch in Europa und anderen westlichen Ländern Erfahrungen mit
der Akupunktur gemacht, so dass hier inzwischen einige
wissenschaftliche Erkenntnisse über die Wirkweise der Akupunktur
vorliegen. Anerkannte Wirkungen der Akupunktur sind:
-
die schmerzstillende
Wirkung, die so erklärt wird, dass durch Nadelung spezieller
Akupunkturpunkte körpereigene morphinartige Substanzen in Gehirn
und Rückenmark freigesetzt werden. Es ist noch gar nicht so lange
bekannt, dass der Körper unterbestimmten Bedingungen in geringen
Mengen selbst morphinartige Stoffe freisetzen kann, die wir als
Endorphine bezeichnen. Unter Extrembedingungen, z.B. beim Sport,
insbesondere beim Ausdauersport ("jumpers high") werden auch
solche Substanzen freigesetzt, was zu einem euphorischen Zustand
und einer deutlich verminderten Schmerzwahrnehmung führt
-
die beruhigende
Wirkung, was z.B. bei Schlaflosigkeit und bei Angstzuständen
therapeutisch genutzt werden kann
-
die regulierende
Wirkung auf das vegetative Nervensystem, wodurch ein günstiger
Einfluß auf Störungen der Lunge (Asthma), des
Herz-Kreislaufsystems (Rhythmusstörungen, Bluthochdruck), auf den
Stoffwechsel und das Hormonsystem ausgeübt werden kann
-
die immunstimulierende
und immunmodulierende Wirkung, welche wir uns bei
Imnnunschwäche-Zuständen und bei allergischen Erkrankungen zu
Nutze machen können
Allerdings: die
Akupunktur kann nur heilen, was gestört ist, nicht aber was zerstört
ist! Neben der klassischen Körperakupunktur gibt es noch
Sonderformen wie: Ohrakupunktur, Schädelakupunktur, Handakupunktur
u.a.m. Unerwünschte Nebenwirkungen gibt es bei richtiger
Durchführung der Akupunktur praktisch nicht. In seltenen Fällen kann
es zu Kreislaufreaktionen kommen, ähnlich wie beim Blutabnehmen,
auch ein kleiner Bluterguss an der Punktionsstelle ist möglich. In
der Schwangerschaft sind bestimmte Vorsichtsregeln zu beachten, d.h.
es dürfen einige Punkte, die evt. wehenauslösend sein können, nicht
genadelt werden.
Eine
ausführliche Indikationsliste hat die
Weltgesundheitsorganisation erstellt.
Die Akupunktur zählt zu
den regulativen Heilverfahren; daher macht es keinen Sinn,
angeborene Defekte wie z.B. Herzfehler oder Erbkrankheiten mit
Akupunktur zu behandeln. Beim vorliegen bösartiger Erkrankungen ist
die Akupunktur allenfalls zur Behandlung von Begleitsymptomen wie
Schmerzen oder Erbrechen und Übelkeit geeignet.
Bei richtiger Anwendung
und Kenntnis der Anatomie ist die Akupunktur praktisch
nebenwirkungsfrei. Beim Einstich entsteht eine kurze unangenehme
Empfindung, die beim Tieferführen der Nadel praktisch verschwindet.
In seltenen Fällen kann es zu einer vorübetrgehenden
Kreislaufreaktion kommen, die durch Entfernen der Nadel und durch
krzfristige Hochlagerung der Beine behebbar ist. Selten kann an der
Einstichstelle ein kleiner Bluterguß entstehen, der noch einige Tage
schmerzen kann. Übertragung von Infektionen und Verletzung von
Körperhöhlen sind in der Literatur als Folge von
Akupunkturbehandlungen beschrieben worden. Deshalb sollten Sie sich
nur von einem gut ausgebildeten Arzt behandeln lassen, die
Verwendung steriler Einmalnadeln ist Pflicht! Während der
Schwangerschaft sind einige Vorsichtsmaßregeln zu beachten; durchaus
sind aber das Schwangerschaftserbrechen und andere
schwangerschaftsbedingte Störungen der Akupunktur gut zugänglich!
Suchmaschinen nach
Postleitzahlen finden Sie bei der
DAEGfA
und bei der Forschnugsgruppe Akupunktur
FATCM.
Sie sollten sich nur von Ärzten behandeln lassen, die wenigstens
eine Grundausbildung (Diplom A)von 140 Stunden oder eine
Zusatzbezeichnung der Ärztekammer nachweisen können.
Ärzte, die eine Vollausbildung nachweisen können (Diplom B), haben
mindestens 350 Ausbildungsstunden absolviert. Beide
Ausbildungsabschnitte werden mit einer schriftlichen, mündlichen und
praktischen Prüfung abgeschlossen.
Auch nach abgeschlossener Ausbildung sollten sich akupunktierende
Ärzte regelmäßig auf Kongressen oder im Rahmen von regionalen
Qualitätszirkeln weiterbilden.
Die Akupunktur ist nach
einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses Ärzte-Kassen
(G-BA) seit dem 1.1.2007 für die Indikationen "chronischer
Rückenschmerz" und "Knieschmerz bei Gonarthrose" als Kassenleistung
anerkannt.
Alle anderen Heilanzeigen müssen privat bezahlt werden.
Die Modellvorhaben, die eine Erstattung von Kosten für
Akupunkturen auch bei chronische Kopfschmerzen und
Migräne ermöglichen, sind Ende 2006 ausgelaufen. |